Vortrag im Rahmen der Reihe »Les jeudis de l’Institut historique allemand«
Susanne Lachenicht (Univ. Bayreuth), Savoirs autochtones, nouvelles sciences et discours colonial dans l'Amérique française (XVIe - XVIIIe siècles)
Kommentar: Francois Regourd (Paris Nanterre)
Transfer und Präsenz von indigenem Wissen in europäischen Wissensarchiven haben in den letzten Jahren in der internationalen Forschung sehr an Bedeutung gewonnen, und zwar für die Bereiche Klima, Geografie, Geologie, Ökologie, Botanik, Zoologie, Medizin, Pharmazeutik und Ernährungswissenschaften.
Zu den Wissensarchiven zählen neben Sammlungen von botanischen und zoologischen Objekten, Korrespondenzen, gelehrte Journale, Enzyklopädien, Kartenwerke, Reisebeschreibungen – und die so genannten Naturgeschichten. Naturgeschichten sind ein spezifisches, wenn auch schwieriges Genre. Sie beinhalten Beschreibungen von Klima, Geographie, Geologie, Flora und Fauna sowie von Menschen und Gesellschaften unterschiedlicher Weltregionen. Oft basieren sie auf Reisetagebüchern, Logbucheintragungen, Zeichnungen und Aquarellen von Landschaften, Pflanzen, Tieren und Menschen bzw. deren Tätigkeiten.
Naturgeschichten sind eine exzellente Quelle für eine Reihe von Themen: 1.) für eine positivistische Bestandsaufnahme von verfügbarem Wissen (siehe hierzu die Arbeiten aus dem Bereich Wissenschaftsgeschichte), 2.) für die Entwicklung von europäischen Wissenssystemen bzw. neuen Wissenskategorien, 3.) für kolonialen Diskurs und damit verbunden 4.) für Kolonialisierung als Prozess.
In unserem Forschungsprojekt interessiert uns eingebettet in die Frage der Facetten von kolonialem Diskurs, wie in diesen Naturgeschichten mit so genanntem indigenem Wissen umgegangen wird, wie es dokumentiert und hierarchisiert wird bzw. wie Kulturkontakt-, Transfer- und Transformationsprozesse in die Quellen einfließen. Ziel ist es, mit diesem Projekt 1.) weiteren Aufschluss über Prozesse der Wissensgenese und -kodifizierung zu gewinnen, 2.) Strukturen und Prozesse von Kolonisierung besser zu verstehen und 3.) unseren heutigen Narrativ zum „europäischen Wissen“ über andere Welten zu korrigieren.
Susanne Lachenicht ist Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Bayreuth.
Veranstaltung mit Simultanübersetzung (Deutsch/Französisch).
Für eine Teilnahme vor Ort ist keine Anmeldung erforderlich.
Online-Teilnahme: Zoom
Informationen: event@dhi-paris.fr
Bildnachweis: Nouveau voyage aux îles de l’Amérique, Tome 1 page 331, 1722 - Labat BnF.
