Das Generative der Künstlichen Intelligenz
Vortrag von Felix Stalder (Zürcher Hochschule der Künste), im Rahmen der Reihe »Les jeudis de l’Institut historique allemand«
Kommentar: Carla Marand (Sciences Po)
12. Dezember 2024, online und vor Ort
Künstliche Intelligenz (KI), insbesondere die Statistik-basierten Ansätze des Machine Learning werden oft als Technologien der Repräsentation verstanden. Das bedeutet, dass sie durch Mustererkennung, besonders auch da, wo andere Methoden der Erkenntnis nicht anwendbar sind, ermöglichen, Aussagen über die Welt zu tätigen. Das versprach bereits »Big Data« um die Jahrtausendwende. Künstliche Intelligenz radikalisiert dieses Versprechen. Gleichzeitig ist KI Gegenstand kritischer Diskurse, die wir von quantitativen Methoden bereits kennen: Bias, Samplequalität, Korrelation vs. Kausation, Situiertheit vs. Universalität, etc. Diese Diskurse prägen, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, auch die aktuelle Diskussion rund um Generative KI, also ChatGPT, Midjourney und eine sich ständig ausfächernde Palette von spezialisierten Anwendungen sowie die angeblich bereits am Horizont sichtbare »Artificial General Intelligence«.
Felix Stalder (Züricher Hochschule der Künste) ergänzt diese kritischen Perspektiven in seinem Vortrag und rückt das »Generative« der künstlichen Intelligenz ins Zentrum des Diskurses. Er bezieht sich dabei nicht nur auf die »Generative KI« sondern auf künstliche Intelligenz im Allgemeinen. KI sollte weniger als Repräsentation verstanden werden, die uns etwas über die Welt sagt. Sie ermöglicht vielmehr, konstituierend in die Welt einzugreifen. Das Kriterium zur Beurteilung von KI ist aus dieser Perspektive weniger die Frage nach »Wahrheit«, sondern die Frage nach den Folgen eines spezifischen Eingriffs in die Welt. Wir bewegen uns damit weg von einem Paradigma der Wissenschaft, hin zu einem verantwortungsethischen Paradigma der Politik.
