Geschichte Afrikas

Forschungsprojekt

The Price of Freedom and the Value of Loss. The Haitian Compensation as the cornerstone of post-colonial Mutation. 1814–1900


1. Januar 1804: Unter der Führung von Jean-Jacques Dessalines erklärt sich Haiti unabhängig. Für die junge Republik bedeutet dies das Ende von Kolonialherrschaft und Unterdrückung. Für Frankreich hingegen ist die Autonomie seiner »Perle der Antillen« undenkbar. Es beginnt eine Phase, in der Frankreich zunächst mit Gewalt, später über Recht, Diplomatie und Finanzinstrumente versucht, sein Verhältnis zur ehemaligen Kolonie neu zu ordnen. Nach 21 Jahren der Verweigerung ist die französische Regierung 1825 bereit, die Unabhängigkeit anzuerkennen – zum Preis von 150 Millionen Goldfrancs.

Diese Studie untersucht, wie dieser als »Reparation« dargestellte Akt eine militärische (Schlacht von Vertières, 1803) und politische Errungenschaft (Unabhängigkeitserklärung vom 1. Januar 1804) in ökonomische Unterwerfung überführte und dabei aus der Sklavenordnung geerbte Hierarchien neu konfigurierte.

Diese Studie untersucht, wie dieser als »Reparation« dargestellte Akt eine militärische [...] und politische Errungenschaft [...] in ökonomische Unterwerfung überführte und dabei aus der Sklavenordnung geerbte Hierarchien neu konfigurierte.

Am 11. Juli 1825, nach einer Woche hinter verschlossenen Türen, stimmen der haitianische Präsident Jean-Pierre Boyer und der Senat der von Charles X. erlassenen Verordnung (Ordonnance) vom 17. April 1825 zu, die Baron de Mackau überbracht hatte. Dieses Dokument beendet nahezu zehn Jahre zäher Verhandlungen zwischen der jungen Republik und Frankreich und »gewährt den derzeitigen Bewohnern des französischen Teils von Saint-Domingue die volle und ganze Unabhängigkeit ihrer Regierung«.

Von einem echten Friedensvertrag kann jedoch keine Rede sein: Die Konzession folgt einer dreifachen Logik – einer politischen, da Haiti in der französischen Einflusssphäre gehalten wird; einer moralischen, da die Haitianische Revolution delegitimiert und zugleich der Rechtsverlust der ehemaligen Kolonialbesitzer juristisch fixiert wird; und einer klar ökonomischen, durch Zollvergünstigungen für französische Schiffe und Waren sowie die auferlegte Entschädigung zugunsten der ehemaligen Eigentümer. Diese 150 Millionen Goldfrancs begründen ein diplomatisches und wirtschaftliches Geflecht zwischen beiden Staaten, das bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts nachwirkt.

Mathilde Ackermann-Koenigs fragt in ihrer Dissertation nach den juristischen, administrativen, politischen und ideologischen Mechanismen, mit denen Haiti diese Indemnität auferlegt wurde, und nach den dauerhaften Folgen dieser Schulden für die postkolonialen Beziehungen zwischen beiden Ländern. Zugleich analysiert sie, welche Formen von Erinnerung, Verdrängung und Umschreibung der Haitianischen Revolution und des französischen Kolonialismus die Indemnität im Verlauf des 19. Jahrhunderts hervorgebracht hat.


Bildnachweis: Etat détaillé des liquidations [Detaillierte Aufstellung der Liquidationen], Archives nationales d’outre Mer, D64 – 1827.